Des Meisters Gespür für die DIGITALE FLEISCHEREI

Fleischermeister Bingener liest eben noch den neuen Kommentar auf der Facebookseite seines Betriebes. Dort steht: „Vom Netphener Markt her kenne ich die sehr gute Qualität der Waren von Fleischerei Bingener. Heute habe ich mir mal alles über Lozuka ausliefern lassen. Bin insgesamt sehr zufrieden mit Waren und Service. Das heutige Freitagsmenü war sehr lecker.“

Bei solchen Aussagen bekommt Guido Bingener doch schon etwas Gänsehautfeeling. Wieder findet er sich in seiner Entscheidung bestätigt und ist stolz, dass er den Mut hatte, als „Traditionshandwerker“ auch den digitalen Weg einzuschlagen.

Ob Gulaschsuppe oder Catering, Geflügelmettwürstchen oder Frikadellen, sein Angebot und sein Engagement für die individuellen Wünsche seiner Kunden haben ihn zu einer regionalen Größe für Fleisch- und Wurstwaren werden lassen. Doch das alleine ist es nicht – es sind seine Ideen und seine Bereitschaft, das Handwerk trotz oder gerade wegen traditioneller Werte mit der Zeit gehen zu lassen. Daraus entstanden in der Vergangenheit innovative Konzepte, die die Fleischerei Bingener noch erfolgreicher machten.

RASTLOS IN SIEGEN – AUF DER SUCHE NACH DEM LETZTEN KICK
Der Geschäftsmann aus Kreuztal ist dennoch unruhig und immer auf der Suche. Nach was? Was kann man noch tun, um den regionalen Markt dauerhaft zu sichern und Potenzial, das vielleicht sonst überregionale Anbieter via Online-Kanal nutzen, für sich auszuschöpfen?
Über 20.500 Fleischerei-Verkaufsstellen gibt es in Deutschland, darunter rund 12.300 Meisterbetriebe, wie er es einer ist, erfahren wir bei handelsdaten.de. Doch seit 2007 sind die Zahlen rückläufig. Immer mehr Handwerkskollegen schließen. Geht da nicht noch was?

 

KEIN ZUFALL – NUR ZUR RICHTIGEN ZEIT AM RICHTIGEN ORT
Es geht noch mehr! Anderer Schauplatz: Die IHK Siegen, zuständig auch für Kreuztal, hatte im gleichen Zeitraum der Umtriebigkeit unseres Fleischermeisters eine harte Nuss zu knacken. Unter dem Titel „Handel – Garant für attraktive Zentren“ resümierte die IHK für 2015: „Derzeit verschieben sich die Einkaufsgewohnheiten in Richtung Onlinehandel. Unsere Lebensgewohnheiten verändern sich durch die Digitalisierung. Eine gewaltige Herausforderung für den Handel.“ Dieser Herausforderung musste sich die IHK in ihrer Funktion als Support für den Einzelhandel vor Ort stellen. Und da war sie wieder, die Frage: Geht da noch was? Mit dieser Fragestellung ging die IHK Siegen aktiv auf eine ortsansässige, aber national agierende Internetagentur zu. Die Agentur verstand sofort und hatte gleich gute Ansätze zur Unterstützung des lokalen Einzelhandels, die auf den Siegener Einzelhandel übertragbar waren. Doch das funktionierte durch die besonderen regionalen Rahmenbedingungen nicht in der ganzen Konsequenz. Es gab keine wirklich bestehende hundertprozentige nationale Lösung, die sich erfolgreich auf den Raum Siegen adaptieren ließ.