Die Plattform bietet kleinen und mittelgroßen Einzelhändlern die Möglichkeit, ihren Umsatz über die lokale Kundschaft hinaus zu erweitern.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage und Entwicklung des Einzelhandels ein?
Der Einzelhandel ist eine stark mittelständisch geprägte Branche. Neunzig Prozent der Unternehmen haben bis zu 20 Beschäftigte. Insgesamt arbeiten im Einzelhandel rund drei Millionen Beschäftigte. Damit gehört der Einzelhandel zu den wichtigsten Branchen in Deutschland.
Die Branche muss sich derzeit jedoch großen Herausforderungen stellen. Es findet ein tiefgreifender Strukturwandel statt. Digitalisierung, demografischer Wandel, verändertes Konsumentenverhalten und zunehmender Wettbewerb – das sind die großen Trends, die den Strukturwandel bestimmen und die gerade den kleineren Händlern viel abverlangen.
Vor allem die Konkurrenz aus dem Internet gewinnt kontinuierlich Marktanteile und zieht Umsatz vom stationären Handel ab. Der Trend, seine Einkäufe per Computer oder Smartphone zu erledigen, ist unumkehrbar. Die Online-Kunden schätzen das schier unbegrenzte Warenangebot, zeitsparend durch Preissuchmaschinen aufbereitet, den Wegfall der lästigen Parkplatzsuche in der City und die Lieferung der Waren nach Hause.

Dieser Strukturwandel betrifft aber nicht nur den Einzelhandel allein! Wie möchte das Ministerium für Wirtschaft und Energie hier unterstützen?
Ganz genau, die Auswirkungen des Strukturwandels betreffen nicht nur die Einzelhandelsunternehmen selbst, sondern die gesamte Gesellschaft: Infolge von Ladenschließungen drohen Innenstädte zu veröden, in ländlichen Regionen ist die Nahversorgung zunehmend gefährdet.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat deshalb im Jahr 2015 das Projekt „Dialogplattform Einzelhandel“ ins Leben gerufen. Die Ergebnisse von 16 Expertenworkshops liegen seit Juni diesen Jahres vor und können über die Webseite
www.dialogplattform-einzelhandel.de abgerufen werden. Die Empfehlungen, die von einer Vielzahl von Expertinnen und Experten in intensiven Diskussionen erarbeitet wurden, befassen sich u.a. damit, wie im ländlichen Raum die Nahversorgung aufrecht erhalten werden kann, wie wir unsere Städte lebendig und attraktiv halten, wie Unternehmen auf die Herausforderungen der Digitalisierung reagieren können und welche Maßnahmen im Bereich Beruf und Bildung ergriffen werden sollten. In den Dialog haben sich Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Verbänden, Kammern, Gewerkschaften, Bund, Ländern und Kommunen sowie der Wissenschaft mit ihrer jeweiligen Sicht und Erfahrung eingebracht. Mitgewirkt haben somit Vertreter aus allen wichtigen vom Strukturwandel betroffenen Gruppen.

Und welche Kernpunkte konnten Sie gemeinsam erarbeiten?
Eine wichtige Erkenntnis der Dialogplattform ist, dass auch die kleinsten lokalen Einzelhändler im Internet sichtbar sein müssen, um von ihren (potentiellen) Kunden wahrgenommen werden zu können. Auffindbarkeit im Internet ist ein Muss - ein eigener Online-Shop ist dagegen nicht in jedem Fall zwingend. Dieser kann jedoch zu neuen Kunden und Mehrumsatz führen. Ich kann jedem Einzelhändler nur empfehlen, einen Blick auf die Ergebnisse unserer Dialogplattform Einzelhandel zu werfen.

Wie kann Lozuka ergänzend dazu unterstützen?
Die Geschäftsidee von Lozuka ist, auch mit Blick auf die Zielsetzung der Dialogplattform Einzelhandel, in doppelter Hinsicht zu begrüßen: Die Plattform bietet kleinen und mittelgroßen Einzelhändlern die Möglichkeit, ihren Umsatz über die lokale Kundschaft hinaus zu erweitern. Ferner trägt sie zur Nahversorgung der Bevölkerung im ländlichen Raum bei. Lozuka fasst Handel und Dienstleister in einem regionalen (virtuellen) Webkaufhaus zusammen und hält so den Online-Umsatz in der Region.
Ich begrüße diese innovative Geschäftsidee, da sie aktiv die aktuellen Herausforderungen des deutschen Einzelhandels aufgreift und die Wertschöpfung und in der Folge auch Arbeitsplätze in der Region erhält. Es würde mich sehr freuen, wenn das Konzept von Lozuka sich weiter gut entwickelt und in andere Regionen expandiert.

Dirk Wiese, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie

 

 

"Die Plattform bietet kleinen und mittelgroßen Einzelhändlern die Möglichkeit, ihren Umsatz über die lokale Kundschaft hinaus zu erweitern."